Columbus

Am 7. Februar 2008 startete das europäische Weltraumlabor Columbus, um an der Internationalen Raumstation ISS montiert zu werden. Es war der Abschluss von jahrelanger Vorbereitung und harter Arbeit. Der deutsche Astronaut Hans Schlegel und sein französischer Kollege Léopold Eyharts waren Crew-Mitglieder auf der Mission Columbus, die das Raumlabor an der ISS montiert und in Betrieb genommen haben. Gemeinsam mit fünf NASA-Astronauten starteten sie im Space Shuttle Atlantis auf dem Flug STS-122 vom Kennedy Space Center in Florida.

Die Mission Columbus bestand aus unterschiedlichen Abschnitten. Zunächst wurde das europäische Labor während des 13-tägigen STS-122-Fluges an die Station angedockt, anschließend eingeschaltet und in Betrieb genommen. Bei ihrem dritten Außenbordeinsatz (EVA, Extravehicular Activity) montierten die Astronauten die externen Versuchseinrichtungen an das Weltraumlabor Columbus. Schließlich erledigten sie weitere Aufbau- und Wartungsarbeiten.

Die Mission Columbus wurde nach dem Abdocken des Space Shuttles von Léopold Eyharts fortgeführt, der bis zum 25. März 2008 Mitglied der ISS-Expeditionscrew war. Neben seinen Aufgaben als zweiter ISS-Flugingenieur nahm er mit zwei Besatzungskollegen nach und nach die Inbetriebnahme des europäischen Weltraumlabors vor. Dazu gehörte das Einschalten und Prüfen der internen Experimentiereinrichtungen sowie die Durchführung von europäischen Forschungs-, PR- und Bildungsaktivitäten.

Im Anschluss übernahm das deutsche Columbus Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen die dauerhafte Kontrolle über das Forschungslabor. Über 75 Wissenschaftler und Ingenieure steuern und überwachen von dort aus die europäischen Aktivitäten im Weltraumlabor.

Mit einer Länge von 6,9 Meter und einem Durchmesser 4,5 Metern bietet das Modul Raum für fünf System-Racks sowie zehn wissenschaftliche Nutzlasteinrichtungen für verschiedene Disziplinen. Die Systeme des Labors sind für eine Lebensdauer von mindestens fünfzehn Jahren ausgelegt. Zurzeit sind die folgenden wissenschaftlichen Einrichtungen installiert:

  • European Drawer Rack (EDR): Materialforschung mit dem Electro Magnetic Levitator (EML) und das Astrophysikexperiment MagVector
  • Biolab: Untersuchung von Mikroorganismen, Zellen, Pflanzen und kleinen wirbellosen Tieren
  • European Physiology Modul (EPM): Humanphysiologie, unter anderem mit dem deutsch/französischen CARDIOLAB zur Kreislaufforschung sowie Unterbringung des Plasmaphysikexperiments PK-4
  • Fluid Science Lab (FSL): Fluidphysik, teilweise Materialforschung (Untersuchung der Dynamik von flüssigen Medien)
  • Muscle Atrophy Research & Exercise System (MARES): Humanphysiologie zur Untersuchung der Auswirkungen des Raumflugs auf den Knochen- und Muskelapparat der Astronauten
  • EXPRESS Rack 3: Unterbringung verschiedener kleiner Experimente sowie des European Modular Cultivation System (EMCS), einem Inkubator und Zentrifuge für biologische Experimente
  • Human Research Facility 1 (HRF-1): Humanphysiologie zur Untersuchung der Auswirkungen von Langzeitraumflügen auf Menschen
  • Human Research Favility 2 (HRF-2): Humanphysiologie zur Untersuchung der Auswirkungen von Langzeitraumflügen auf Menschen

Die vier externen Aufnahmestrukturen für Experimente umfassen jeweils einen Nutzraum von 1,5 Kubikmetern. Externe Nutzlasten auf Columbus sind derzeit:

  • SOLAR: Sensoren zur Beobachtung der Sonnenaktivität
  • ISS-RapidScat: Instrument zur Ermittlung von Windrichtung und -stärke über Ozeanen
  • High Definition Earth Viewing (HDEV): vier HD-Videokameras zur Erdbeobachtung und Technologieerprobung, werden vom deutschen Columbus Eye-Projekt für Bildungszwecke benutzt

Als Hauptauftragnehmer der ESA für das Columbus-Raumsegment führte EADS Bremen (heute Airbus Defence & Space) ein Konsortium von 41 Unternehmen aus 14 Ländern an, welches für die Entwicklung, Fertigung und Tests verantwortlich war. Deutsche Firmen waren mit insgesamt zirka 40 Prozent an der Entwicklung beteiligt.

Beitragsbild: @ NASA

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